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Lessa Spam-Talent

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2006 Beiträge: 820 Wohnort: direkt an der Grasgrenze...
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Verfasst am: 23.04.2006, 15:37 Titel: Geschichte |
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Hi,
ich möchte hier eine Geschichte schreiben. Diese Geschichte ist KEINE wer-schreibt-noch-mit-Geschichte, sondern ich möchte sie ALLEINE schreiben. Deshalb postet hier bitte GAR NICHTS rein, auch nicht Lob oder Kritik. Die könnt ihr mir in einer PN oder einem anderen Thread mitteilen.
Seid bitte fair. Wenn ihr so was aufmachen wollt, werde ich auch nicht posten.
Danke,
Lessa
edit by haschi: ja, wagt euch!!! - werde mich aber mal wagen, den thread in den kultur-teil zu verschieben...da gehört er doch mehr hin, oder? _________________
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Lessa Spam-Talent

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2006 Beiträge: 820 Wohnort: direkt an der Grasgrenze...
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Verfasst am: 23.04.2006, 15:58 Titel: |
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Leise hörte Mara die Wellen an die Steilklippen branden. Wach lag sie da und lauschte den gleichmäßigen Atemzügen ihres kleinen Bruders, während die Ereignisse der letzten Tage an ihr vorbeizogen. Es war viel los gewesen, die Geschehnisse hatten sich überschlagen und drohten, sie, ihre Familie und das ganze Dorf zu verschlingen. Zunächst war da der rätselhafte Tod der Hühner vom Schuster-Lukas gewesen. In der vorvergangenen Nacht hatten sie plötzlich angefangen zu gackern, doch als Lukas dann endlich hinzugeeilt war, lagen sie bereit tot am Stallboden - die Hälse aufgerissen, und doch kein einziger Fleck Blut am Boden. Dann war die Katze der alten Elsie verschwunden. Jeder hoffte, dass sie einfach nur lange mausen war und bald wieder zurückkäme, denn das Vieh war der beste Mauser der Gegend gewesen. Doch man hatte sie aufgerissen in einem Hinterhof gefunden. Und zuletzt war Bernolt verschwunden. Darüber machte man sich im Dorf zunächst keine Gedanken, denn er war der schlimmste Radaubruder, den es im Umkreis von drei Tagesreisen gab. Als man jedoch seine Leiche am Fuß der Steilklippen ohne einen einzigen gebrochenen Knochen, sondern nur mit aufgerissener Kehle fand, wurde es dem Dorf schließlich unheimlich.
Lautlos glitt Mara aus ihrem Alkoven. Sie konnte jetzt sowieso nicht schlafen, also konnte sie auch genausogut schon einmal Brot backen. Sie warf sich einen Hausmantel über und schlich in die Küche. Sacht schloss sie die Tür und zündete die Lampe an. Öl war genug da, und vielleicht war Mutter erfreut genug, dass sie nicht selber backen musste, damit sie ihr die Verschwendung nicht vorwarf. Leise räumte sie das Knetbrett frei und wusch es ab. Mehl, Wasser, Hefe, Butter - Eier waren keine mehr da. Nun, vielleicht hatte eins der Hühner schon welche gelegt. Schnell mischte sie Butter und Mehl schon einmal miteinander, dann öffnete sie die Hoftür, um nach den Hühnern zu sehen. Ihre Pantoffeln klapperten ein wenig, als sie über den Hof schlich, doch sie glaubte nicht, dass sie die Eltern wecken könne. Das Zimmer lag auf der anderen Seite des Hauses, und so sollte der Hof genauso geräuschlos sein wie immer.
Da! Was war das? Etwas hatte hinter ihr geklappert. Sie fuhr herum.
Nichts. Beunruhigt ging sie weiter zum Hühnerstall. Nichts und niemand konnte in den Hinterhof, wenn das Haustor zugeschlossen war, das wusste sie. Dazu hätte man schon die fast fünf Schritt hohe Mauer überwinden müssen, die irgendeiner ihrer Vorfahren einmal hatte errichten lassen. Und da man aus dem Haus nur durch die Küche in den Hinterhof kommen konnte, war sie sicher, dass da niemand war. Niemand sein konnte!
Endlich! Der Weg zum Hühnerstall war ihr noch nie so weit vorgekommen wie in dieser Nacht. Schnell sah sie in den wenigen Nestern nach. Tatsächlich! Eins der Hühner hatte bereits zwei Eier gelegt. Sie nahm sie und lief leise zum Haus. Als sie die Tür öffnete, prallte sie jedoch entsetzt zurück. _________________
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Lessa Spam-Talent

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2006 Beiträge: 820 Wohnort: direkt an der Grasgrenze...
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Verfasst am: 27.04.2006, 23:46 Titel: |
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Das flackernde Licht der Öllampe beschien das ausgemergelte Gesicht eines jungen Mannes, der sie nun mit hungrigen Augen ansah. Vor Schreck bekam Mara allerdings keinen Ton, nicht einmal den Schrei, der ihr in der Kehle steckte, heraus. Als sie nach einer Weile noch immer nichts gesagt hatte, kam der Mann geschmeidig wie eine junge Katze auf sie zu, zog sie ins Haus und schloss die Tür leise hinter ihr. Dann legte er ihr die Hand auf den Mund und sah sie bedauernd an.
"Verzeiht mir, Misstress, doch ich darf leider nicht zulassen, dass Ihr schreit. Ihr braucht euch nicht zu sorgen, ich werde weder Euch noch Eurer Familie etwas zu Leide tun, doch ich brauche für den Tag eine sichere Unterkunft." Seine Stimme war rauh, doch Mara achtete weniger auf den Klang als auf die kultivierte Art, wie er die Worte aussprach. Noch immer erstarrt, nickte sie schließlich. Er ließ sie mit einem leisen Lächeln los. "Danke. Sorgt Euch nicht, ich werde nichts stehlen noch jemandem Leides zufügen. Wohin kann ich mich denn zurückziehen?" Sein Lächeln zog sie in seinen Bann, und so zeigte Mara ihm den Aufgang zum Speicher. Als sie oben waren, drehte er sich noch einmal zu ihr um.
"Noch einmal danke. Ich werde mich noch erkenntlich zeigen." flüsterte er. _________________
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Lessa Spam-Talent

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2006 Beiträge: 820 Wohnort: direkt an der Grasgrenze...
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Verfasst am: 30.05.2006, 15:02 Titel: |
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Dass das Brot doch noch etwas wurde, verdankte es vermutlich eher Maras Routine als ihrer Konzentration in dieser Nacht. Ständig dachte sie über den Fremden nach, der auf dem Speicher hockte. Sie fragte sich, wer er war und warum er sich tagsüber versteckte.
Vielleicht war er ja doch ein Dieb. Doch dann hätte er sie vermutlich eher umgebracht, als sie ihn entdeckt hatte. Außerdem klang seine Stimme so kultiviert, so elegant. Also war er eher ein Mitglied der reichen Schicht, wenn nicht gar von Adel. Doch warum er sich dann verstecken musste, wollte ihr nicht recht einleuchten. Er klang, als wäre er aus der Gegend, und sie hatte keine Gerüchte von irgendwelchen Skandalen gehört, die ein Grund gewesen wären, auch als Adliger sein Heil in der Flucht zu suchen.
Auch der folgende Tag trug nicht dazu bei, Mara ihre Sorgen zu nehmen. Ständig fürchtete sie, jemand könnte auf den Speicher gehen, und vor lauter Nervosität machte sie schließlich so viel falsch, dass ihre Mutter ihr androhte, sie für den Rest des Tages aus dem Haus zu werfen, wenn sie sich nicht beruhigte. Maras wortreiche Entschuldigungen besänftigten sie zwar, dennoch machte sie sich weiterhin Sorgen um ihre Tochter. Als Mara beim abendlichen Aufräumen dann ein Töpfchen Mehl fallenließ, das seinen Inhalt über die ganze Küche verteilte, war das Maß selbst für die sonst gutmütige Mutter voll.
"Mara! Was in aller Götter Namen ist los mit dir?" fuhr sie das Entschuldigungen stammelne Mädchen an. "Heute machst du aber auch nichts richtig! Komm, lass mich das machen. Sonst verteilst du es nur noch feiner." Resolut nahm sie ihrer Tochter den Lappen aus der Hand, mit der diese versucht hatte, das Mehl aufzuwischen. Mara brach in Tränen aus. Das verwirrte ihre Mutter nur noch mehr, denn sonst war ihre Tochter besonnen und neigte nicht zu heftigen Gefühlsausbrüchen.
"Kind! Komm schon, sag mir, was los ist. Setz dich erst mal und hol tief Luft. Wein doch nicht, Mara, ich habs doch nicht böse gemeint!" Hilflos stand ihre Mutter vor ihr, doch Mara schluchzte hysterisch weiter.
"Es tut mir leid, Mama, ich bin heute so ungeschickt!" stammelte sie, als sie sich wieder etwas beruhigt hatte. Noch immer rannen ihr Tränen über das Gesicht. "Es ist einfach zuviel für mich. Diese merkwürdigen Todesfälle in unserem Dorf, sie machen mich noch verrückt, und ich konnte heute nacht nicht schlafen. Vielleicht bin ich auch einfach nur müde. Ich... oh, Mama, entschuldige einfach mein Benehmen heute, ich bin nicht recht bei mir." Die letzte Träne rollte ihre Wange herab, dann lächelte sie ihre Mutter schief an.
"Komm, gib mir den Lappen, ich habs gemacht, ich mach es weg." Sie entwand ihrer Mutter den Stoffetzen und machte sich an die Arbeit. "Geht ihr schon ins Bett, ich komm gleich nach."
Sie war fast fertig, als es leise an der Speicherluke klopfte. Erleichtert seufzte Mara auf und öffnete die Luke. Geschmeidig und ohne einen Laut spang der junge Mann herunter.
"Danke, Misstress. Ihr habt mein Leben gerettet." sagte er leise und hielt dann inne. Wieder hing Mara wie gebannt an seinen Lippen. Mehr, sie wollte mehr hören, ihn länger sehen. Warum nur faszinierte er sie so sehr? Als er weitersprach, zuckte sie fast zusammen, so intensiv hatte sie auf ein nächstes Wort gelauscht. "Wenn Ihr wollt, kommt in einer Woche zum Strand unten an den Klippen. Dort kann ich Euch dann die versprochene Belohnung geben." Elegant verbeugte er sich vor ihr und hauchte einen Kuss auf ihre Hand. "Bis dann, Misstress. Ich hoffe, Euch bald wiederzusehen." _________________
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Lessa Spam-Talent

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 15.03.2006 Beiträge: 820 Wohnort: direkt an der Grasgrenze...
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Verfasst am: 31.05.2006, 20:09 Titel: |
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Nachdem er aus der Hintertür geschlüpft war, sank Mara erst einmal auf einen Stuhl. Die zauberhafte Stimmung, die ihn umgeben hatte, war mit ihm verschwunden, und nun fragte sie sich, wie sie so dumm hatte sein können, ihn oben auf den Speicher zu lassen. Schnell sah sie nach, ob er irgendetwas mitgenommen hatte, doch es war noch alles da. Über ihre eigene Leichtsinnigkeit den Kopf schüttelnd, schloss sie die Hintertür ab und machte die Lampe aus. Leise schlich sie in ihren Alkoven und legte sich schlafen.
Am nächsten Morgen wollte sie nur schwer wach werden. Sie hörte ihre Mutter schon in der Küche rumoren und zog sich das Kissen über den Kopf, um nicht vollends wach zu werden. Doch als sie die Schlüssel für die Hintertür klappern hörte, schoss ihr eine Frage durch den Kopf, die sie sofort hellwach werden ließ: Wie wollte er aus dem Hinterhof denn fortkommen? Die Mauer war zu hoch, um sie zu erklettern, und ging tief in den Boden, damit man sich nicht einfach unten durchgraben konnte. Und wie war er vorgestern hineingekommen? Schnell stand sie auf und zog sich an. Als sie jedoch in den Hinterhof hinaustrat, um die Schweine zu füttern und nach den Eiern zu sehen, war niemand dort. Der Mann war verschwunden. Konnte er denn fliegen? Wie war er hier weg gekommen?
Die ganze Woche ließen die Fragen Mara nicht los. Doch sie wurden in den Hintergrund gedrängt, als weitere Personen verschwanden. Es war niemand, den man sehr vermisst hätte - ein Bettler und einige Landstreicher, die erst vor kurzem das erste Mal hier gesehen worden waren - doch die Leute verschwanden und wurden, wenn überhaupt, mit zerfetzter Kehle wiedergefunden.
Langsam begann es, den Leuten unheimlich zu werden, und so sah man sie nach Einbruch der Dunkelheit nur noch in kleinen, vertrauten Gruppen durch das sonst so verschlafene Dorf ziehen.
Mara war sich nicht sicher, ob sie sich ihre Belohnung abholen sollte, denn ihr war bei dem Gedanken an die einsame Wanderung hinab zur Klippe nicht wohl. _________________
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